
Wie kommt Lob zu diesem Buch zustande? - Diese Rezension richtet sich vor allem an Studienanfänger der Psychologie:Der Bortz ist das Standardwerk für Psychologiestudenten, das mag sein.Ich kenne in meinem Studiengang (und wir sind immerhin um die hundert Kommilitonen im ersten Semester) keinen Einzigen, der mit diesem Buch in dem Affentempo der neuen Bachelorstudiengänge zurechtkommt, ohne quasi seine gesamte Freizeit in die Schritt-für-Schritt-Enträtselung des Bortz zu investieren. Seine Schwächen: umständliches und viel zu weitschweifiges Geschwafel rund um anfangs ja noch (relativ) einfache Sachverhalte - so man sie denn dann mithilfe von Tutoren, etc. verstanden hat - in komplizierter Sprache, Mammutsätzen und permanente Abstraktion, statt beispielhafter Konkretisierung von Sachverhalten.Der Bortz ist viel zu sehr um Vollständigkeit und Ansehen und viel zu wenig um Didaktik bemüht. Er ist viel zu ausladend geschrieben und macht es einem gehetzten Bachelorstudenten quasi unmöglich durch die Kapitel zu rennen (wie es in den neuen Studiengängen ja notwendig wird). Wir bekamen beispielsweise für die erste Klausur innerhalb von 5-6 Vorlesungen die ersten vier Kapitel vermittelt. Das geht nicht ohne sehr gute Tutoren und sehr, sehr viel Extrazeit. Wer eines oder beides nicht hat und es trotzdem schaffen müsste, wäre vermutlich ziemlich aufgeschmissen.Diesem Lehrbuch geht es nicht um Verständlichkeit und selbst von vielen Dozenten (nicht unbedingt Statistikdozenten ,), Tutoren und Kommilitonen höheren Semesters, hört man immer wieder folgende Satz: Den Bortz _kann_ man einfach nicht wirklich LESEN. Und das ist schlicht wahr. Man kann darin allenfalls nachschlagen, was anderweitig sehr gut didaktisch vermittelt wurde. Der Bortz hilft also erst weiter, wenn man quasi zumindest schon in Grundzügen verstanden hat, was in diesem Lehrbuch gelehrt werden soll. Er ist häufig extrem abstrakt formuliert, zu schwafelig (nimmt im Vorwort ja selbst den Vorwurf der Weitschweifigkeit vorweg) und kostet in der Nachbearbeitung der Vorlesungen schlicht eine Unmenge von Zeit, die nicht vorhanden ist, sollte man schon auf Bachelor studieren.Empfohlene Ergänzungen/Alternativen: Statistikbücher von Joerg M. Diehl (ein Prof der Jahrzehntelang dafür gesorgt hat, dass an seiner Uni Statistik kein Angstfach war und dessen hervorragender Ruf noch längst nach seiner Pensionierung nachhallt). Die Bücher sind zwar etwas altmodisch in ihrer Aufmachung, jedoch sehr konkret verfasst und bringen die Materie immer wieder auf den oder die relevanten Punkte ohne zu oberflächlich zu werden, jedoch auch ohne sich in Galaxien von Abstraktionen (quasi Bortz-like) zu verlieren.Nachtigall/Wirtz (an anderer Stelle hier schon empfohlen) sind defintiv auch nicht schlecht.Zu guter Letzt - natürlich wirklich nur als kleine Ergänzung, wenn man gar keine Lust mehr hat zu lesen und statt gar nix mehr zu machen - ist laut Kommilitonen wohl Statistik Macchiato als kleine Abendlektüre nach dem Lernen zu empfehlen um absolute Basics zu verinnerlichen und zu vertiefen... So dürfte man zwar ebenfalls mit einigem Zeitaufwand, aber wesentlich weniger Wut im Bauch und Verwirrung im Kopf sehr gut durch den Stoff kommen. Nur die Defintionen muss man halt für die Klausuren aus dem Buch entnehmen, das vom eigenen Prof verwendet und zur Lektüre angetragen wird. Aus welchem Buch man aber gelernt hat, was hinter den statistischen Grundlagen steckt, wie man sie anwendet und Fehler vermeidet ist aber gleich, da all die genannten Bücher sich auf die gleichen statistischen Felder beziehen und somit nichts anderes lehren als der Bortz auch, sondern eben nur anders aufbereiten. Der Bortz mag ja dann gern als Nachschlage- und Vertiefungswerk hilfreich sein, wenn man quasi alles verstanden hat, was man an echten Grundlagen braucht im ersten Studienjahr lernen muss. Aber eben wohl ERST dann, wie hier mehrfach bereits auch von anderen Rezensenten erwähnt wurde.
Immer noch das Standardwerk, nicht nur für Psychologen - Es mag sein, dass Bortz nicht die allerneuesten Ergüsse der Statistik behandelt. Aber, und das ist das Riesenplus dieses Lehrwerks, wenn er etwas erklärt, dann erklärt er es richtig.Mit diesem studienbegleitenden Werk kann niemand mehr sagen, er habe Statistik nicht kapiert. Es gibt nicht wenige Studenten, die mit Hilfe der einschlägigen Software Clusteranalysen rechnen, aber die Logik von Null- und Alternativhypothese immer noch nicht wirklich durchblickt haben. Wer es nach dem Bortz noch nicht weiß, der will auch nicht.Außerdem darf nicht vergessen werden, dass Statistik nicht nur für Diplom-Psychologen eine Pflichtaufgabe ist. Pädagogen und Journalisten verstehen zumeist gar nicht, warum sie sich in die Welt der Zahlen stürzen sollen, da die Statistik für diese Klientel wohl eher nur ein (möglichst kleines) Teilgebiet im Studium darstellt, für die Psychologen aber das tägliche Brot ist. Der Bortz erklärt es allen, egal woher sie kommen!Und Likely-Hood im Statistik-Bortz? Da wären wir doch eher bei der Testtheorie, und da gibts Bücher zu Hauf, die nichts anderes zum Inhalt haben. Ich jedenfalls bleib bei meinem Bortz, auch wenn man ihm das häufige Wälzen mittlerweile ansieht.
es war mal ein Klassiker - Bortz Statistikbuch war fuer mich lange Zeit die Bibel der Staistik. Allerdings ist das schon einige Zeit her und es hat sich mittlerweile einiges in der Statistik getan und auch ich habe viel dazugelernt, so dass ich das Buch nicht mehr bedenkenlos empfehlen kann. Bortz behandelt Statistik immer noch wie vor 20 oder 30 Jahren und ignoriert (oder behandelt nur am Rande) moderne Methoden (z.B.: Likelyhood Methoden, Bootstrapping, Bayesianische Statistik, Modellwahl mittles Informationskriterien, Hierarchische Lineare Modelle...). Schwerpunkt ist immer noch das Nullhypothesen testen, die Kleinste Quadrate Methode und im Zweifelsfalle liber nichtparametrisch testen. Trotzdem - Bortz erklaert die Standardmethoden immer noch sehr gut und verstaendlich. Schade, dass es keine wirkliche Neuauflage ist.
Statistik leicht verständlich - Statistik ist ein Fach, wo es eine Fülle unterschiedlicher Verteilungen gibt, stillschweigend gemachte Annahmen die Mann oder Frau wissen muss und die gilt es zu nennen. Und das ist hier der Fall. Richtig mit Liebe zum Detail, keine geistigen Sprünge, die nur ein Genie versteht, sondern ein Text für jederfrau bzw. jedermann.Eiin großes, wohlverdientes Lob.
Ein Standardwerk und Meilenstein - Der Bortz ist eines der meistzitierten Bücher in den empirischen Sozialwissenschaften. Neben einem teils vertiefenden Überblick über die Methoden, gibt Bortz auch Mathematische Erklärungen, wie das Rechnen mit Matrizen, um ein Nachvollziehen praktischer Beispiele zu gewährleisten. Überall, wo ein Vertiefen nicht möglich ist, bietet Bortz passende Literatur an, um das Konkrete weiterverfolgen zu können. Auch auf kritische Bücher wird von Bortz verwiesen. Als einziges Manko könnte der rein psychologische Blick Bortz betrachtet werden: So beschreibt er etwa im Rahmen der Diskriminanzanalyse nur die Descriptive Discriminant Analysis, welche nur in den Verhaltenswissenschaften Anwendung findet und geht nicht auf das in den sonstigen Wissenschaften verbreitete Verfahren der Predictive Discriminant Analysis ein.Alles in allem aber ein Superwerk, an dem kein Student der Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften vorbeikommen sollte.